EEG-Reform: Droht das Ende der Einspeisevergütung – und was heißt das für PV-Investments?
Ingolstadt Analytical Intelligence ServicesEin durchgesickerter Referentenentwurf aus dem Bundeswirtschaftsministerium sorgt für Unruhe in der Solarbranche: Ab 2027 soll die feste Einspeisevergütung für neue PV-Anlagen unter 25 kWp ersatzlos gestrichen werden. Stattdessen müssten Betreiber ihren überschüssigen Strom selbst verbrauchen oder über Direktvermarktung absetzen. Für Portfoliokunden mit PV-Strategie ist das eine relevante Entwicklung.
Status Quo: Was aktuell noch gilt
Teileinspeisung (bis 10 kWp): 7,78 ct/kWh (ab Feb. 2026)
Volleinspeisung (bis 10 kWp): 12,34 ct/kWh (ab Feb. 2026)
Degression: 1 % alle 6 Monate
Garantie: 20 Jahre ab Inbetriebnahme
EU-Beihilfe-Genehmigung EEG: Läuft Ende 2026 aus
Was der EEG-Entwurf vorsieht
Der Entwurf plant die Umstellung auf marktorientierte Modelle: Differenzverträge (Contracts for Difference) und eine Pflicht zur Direktvermarktung auch für Kleinanlagen. Die bisherige 20-jährige Festpreis-Garantie fällt für Neuanlagen weg. Die EU-beihilferechtliche Genehmigung des aktuellen EEG läuft Ende 2026 aus – eine Novelle muss daher in diesem Jahr verabschiedet werden.
Die Branche reagiert gespalten. Der Bundesverband Solarwirtschaft warnt vor einem massiven Rückgang bei privaten Dachinstallationen. Befürworter argumentieren, dass die gesunkenen Modulpreise und die hohen Stromkosten PV-Anlagen auch ohne Einspeisevergütung wirtschaftlich machen – vorausgesetzt, ein Batteriespeicher ist Teil des Systems.
Bewertung
Für Bestandsanlagen ändert sich nichts: Die zugesagte Einspeisevergütung gilt 20 Jahre. Wer jedoch neue PV-Investitionen in seinem Portfolio plant, sollte zwei Szenarien durchrechnen: eines mit aktueller Einspeisevergütung (Inbetriebnahme 2026) und eines unter reiner Eigenverbrauchslogik ab 2027.
Die wirtschaftliche Kerngröße verschiebt sich damit vom Einspeiseerlös zum vermiedenen Strombezug. Bei aktuellen Haushaltsstrompreisen von über 30 ct/kWh und Gestehungskosten von etwa 6–7 ct/kWh bleibt PV auch ohne Vergütung attraktiv – aber nur mit ausreichend hoher Eigenverbrauchsquote. Batteriespeicher, intelligente Steuerung und die Kopplung mit Wärmepumpen werden damit zu zentralen Wirtschaftlichkeitshebeln.